papst

Der Papst ist ein Schwede
Erzählung

Leipziger Literaturverlag

2007

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Deutsche Leute schlafen sieben bis acht Stunden, ich schlafe vier oder fünf. In Polen schlafe ich normal. Aber hier, das ist unmöglich. Die Uhr geht anders, ich habe keine Zeit. Ich brauche viel Zeit, um zu verstehen. Ich brauche vielleicht drei Stunden mehr Zeit am Tag zum Verstehen. Ich bin schnell, aber langsam. S-Bahn oder U-Bahn, Potsdam-Berlin, Friedrichstraße-Leinestraße, Hermannplatz-Blissestraße, fährt schnell und ich denke, ganz langsam, was hat die Kollegin eben gemeint? Was hat die Chefin gerade gesagt? Ich schreibe das auf, ich schlage Wörter nach, mein Deutsch fährt entgegengesetzt. Dann kommt meine Station, aber mein Deutsch steigt da aus, wo ich losgefahren bin. Das ist Schock jedes Mal, das ist nicht normal. Und dann kommt Person, die ich kenne. Dann könntest du kommen in Zukunft. Du sagst, hallo, liebe Freundin, und ich kann antworten. Hallo, na wie geht’s? Und es geht. Du bist da, und es geht und ich bin an diesem Platz, an dem ich gar nicht ankommen konnte, da bin ich und lerne dich immer besser kennen. Jedes Mal, wenn du Hallo sagst, kenne ich wieder ein Stück.


Eine junge Polin als Volontärin in Berlin und eine stumme Zuhörerin, die mitgenommen wird auf eine Reise in das fremde Nachbarland.

Porträt eines Verhältnisses zu Beginn dieses Jahrhunderts.