Winter was hard

Brokof Heinau Hoefs & friends

 

"Diese Geschichten entstanden Zug um Zug, d.h. Wort für Wort oder Phrase für Phrase, in offener Runde. Sie sind ein Spiel des Augenblicks und messen sich nur an diesem."

 

Entstanden im Dresdner Winter und Frühjahrsschmutz

Als Weihnachtsgabe für Freunde überreicht im Jahr 2003

 

72 Seiten in Packpapier gewickelt

- ein paar Exemplare habe ich noch! (3,- Euro)

 

 

Die Unterschrift

Ich habe Hunger und neuerdings auch Geld. Also kann ich gemäß der verschiedenen Bestimmungen entscheiden, was man sich leistet. Kosten entstehen immer durch niedrige Kostenerhöhungen innerhalb weniger Verträge. Deshalb haben kleine Verträge immer wieder Geduld mit größeren Verträgen.

Unlängst hatte der Vermieter freudige Nachrichten in meinen Ohren hinterlegt, um mir die Möglichkeiten offenzulassen, mich selbst zu rehabilitieren. Amtlicherseits stehen einige Schurken immer dem obigen Vertragswerk zu. Mag man denken, was andere auch schon dachten, und sagen, wie es zu sein hat, die verwirrenden Momente bei dergleichen Aktivitäten stehen außer Frage. Paragraf 8 im HGB besagt nichts. Lieber Vollzieher des zu beunterschriftenden Vorschlags, gräme dich ruhig weiter! Ich fühle mich unangebracht hier zu unterschreiben. Sagen Sie besser nichts dazu. Beachten Sie folgende Aufgabenstellung, als Aufmerksamkeit gegenüber meiner Toleranz. Tolerant mögen Sie reden, aber nichts Geduldiges entfaltet sich von Ihnen ausgenommen der eigentlichen Aufgabenstellung als Sinn dar. Meinerseits ungelogen unterschriebe ich folgendes Pamphlet: Kaltmiete wie gehabt überweisen, Nebenkosten senken lässig, Hausmeister weg, Hausbesitzer verscharren, schweigen Sie bedrohlich, und nötigenfalls werde ich Arrest verhängen oder Schafotte herbeischaffen.

Zu unterschreiben wird man genötigt. Blauer Brief über roter Tinte ist eh’ wurscht. Blut ist schlecht zum Schreiben.

 

Diskussion

Bei dieser Gelegenheit stellte sie mich abseits. Es war Nacht hinterm Fenster und kalt lief mir der Wind um das Haupt. Eine neue Gegenwart offenbarte ihr letzter Satz: Liebst du einen anderen mehr als dich? dann solltest du einmal in Worten sagen, was uns eigentlich trennt.

Blau verfärbte sich die Jacke und zog Fäden wie Wasser an Klebstoff. Pistolen wären hilfreich in solchen Situationen, denen wir anders entgegenträten. Ich sagte: Du, ich liebe niemanden und teile mein Innerstes mit nur ganz wenigen Vertrauten. Diese zeigen wenigstens Verständnis. Männer werden immer falsch verstanden. Versteh das bitte nicht falsch, Liebste! Ich kann alles mit dir vergessen, wenn du so bist wie ich denke, dass Pistolen nicht erzwingen können, was Liebe ausmacht.

Traurig gingen unten zwei interessante Pärchen auf und ab. Beide sahen zu einander, um sich abzulenken. Eines war halbtot. Klar, dass ich diese Möglichkeit ausschloss, lieber ganz überleben. Haut auf den Putz, ihr Straßenfeger! Geht doch ins Stundenhotel! Sie taumelten weg. Sie waren viele Minuten sehr lebendig gewesen in dieser Nacht. Vor Langeweile hatte die Freundin ein Bein auf die Brüstung gelegt ohne Schuh und ohne Strumpf. Verspielt hing sein Kopf über ihrer Schublade. Klemmte dort ein Finger in der Trennungssituation? Bestimmt schmerzt dich, Liebste, mein Fingerkauen. Vergiss doch nicht meine Neigung, früher abzuhauen. Lass mich laufen oder nimm Tabletten gegen das letzte Ungewisse, sagte er.

 

Ohne Titel

Unlängst hatte ich zwei kleine Schafe gegessen. Diese waren eigentlich zäh, aber lecker. Deshalb bestellte ich neue und bekam alte geliefert. Nun mussten einige Freunde zum Schlachten antreten da ich allein nicht die armen Tiere zerhacken wollte. Die Freunde brachten andere Äxte als die meine, aber meine war die schärfste. Sie fuhr durch drei Schafskeulen gleichzeitig wie Butter, ohne das geringste Geräusch. Am Abend war alles vernichtet, was da lebte hinter meinem Zaun. Auf der Straße lebte noch was. Ein angefahrener Fuchs zappelte herum und bat mich um Erlösung. Ich holte aus, doch irgendein blöder Gott hielt meine Axt fest und ließ sie schlagartig los, als meine Freundin nach dem Fuchs schaute. Das Blut in ihrem Gesicht war zunächst noch Schamröte, die herüberleuchtete. Dann Fuchsspritzer, dann – ich sah nicht genau hin – und wollte es eigentlich gar nicht sehen, leckte sie sich einen Finger ab. Hoffentlich hatte sie mit diesem nicht einen meiner Freunde berührt. Sicher hatte der Fuchs Tollwut gehabt. Füchse haben so was. Besonders wenn sie zappeln. Ich wollte nicht daran denken, was die Freunde jetzt dachten. Doch sie lagen hinterm Zaun, alle erschlagen, fiel mir da ein. Was dachten wohl die Eltern darüber, wenn sie das erfahren würden. Überlebt hatte nur meine Freundin, bis jetzt. Das ließ sich ändern. Ich holte aus und diesmal traf die Axt ohne Gott den Asphalt unter ihren Schuhen. Ein Bein versank im Boden. Das andere wehrte sich mit einem Tritt. So war sie immer zu mir gewesen. Ich hob eine weitere Axt auf, holte aus und warf sie über die linke Schulter ohne hinzugucken. Ich brauchte neues Blut, also traf ich mich mit den Eltern der Opfer. Alle kamen sofort, als sie hörten was geschehen war, und wollten sich mit mir aussprechen. Ich holte aus. Mein Gott, waren die dumm. Nun war ich für eine Weile beruhigt. Ich legte mich ins Bett und dachte nach. Welchen Weg würde ich in Zukunft einschlagen. Ewig kann man ja nicht soweit ausholen. Kleinere Opfer gefielen mir aber nicht. Ich holte aus. Mit voller Wucht schlug mein Kopf gegen den Bettpfosten. Das Bett brach. Meine Freundin erschien kurz leuchtend vor meinem inneren Auge, sie fehlte mir jetzt schon ein wenig. Trotzdem holte ich aus und brachte mein Bett in eine wunderbare Startposition. Leider ohne Beifahrer. Ich ergriff meine Vision und schleuderte sie auf die Matratze. Sie schrie auf und zerfiel, hinterließ einen schmutzigen Fleck auf dem Laken. Ich holte aus. Das Bett sauste rückwärts in die Tiefe, vorbei an allen Schafen, Freunden und Eltern, und schnitt ihnen die Füße ab. Mein Leben lag vor mir in ein paar Stücken Fleisch, und ich war doch ein wenig stolz auf meine Taten. In diesem Moment holte Gott aus oder wer soll es denn sonst gewesen sein, und schallerte mir eine mitten ins Gesicht. Da wurde ich so richtig sauer und kotzte aufs Laken. Da briet mir Gott noch eine über und nahm mich in seinen göttlichen Schwitzkasten. Hier stecke ich noch immer.