katrincoverklein

Hochstaplerroman

Leipziger Literaturverlag 2010

171 S., hardcover

Umschlag: Jan Brokof

19,95 Euro

bestellen »
Berlin, Gegenwart. Fred Schiller kündigt seine Hartz IV-Existenz und versucht das Leben auf der Straße. Es verschlägt ihn aufs märkische Land, er verliebt sich, bricht in ein Sommerhaus ein. Als er das Kind der Besitzer vor dem Ertrinken im Dorfteich rettet, müssen diese sich mit dem Eindringling arrangieren. Er wird mit seinem angeblichen Freund verwechselt, und nun ergreift Fred Schiller die Chance. In New York von reichen Sammlern unterstützt, kommt er bei einem der bedeutendsten Galeristen der Welt unter Vertrag und erfindet ein Werk...

 

Mit einem goldfunkelnden Apricot und einer Handvoll kräftiger Männer, zu denen auch Ronaldo gehörte, erschien ich am frühen Abend bei Falk Lennox. Wenige Anrufe hatten genügt, und Ronaldo hatte die Crew zusammen. Ohne Schwierigkeiten waren Leute zu finden, die für 900 Dollar die Woche die Nächte durcharbeiten wollten, Ronaldo selbst hatte ohne zu zögern seinen Job im Bistro gekündigt. Auf die Gelegenheit, sagte mir, habe er nur gewartet. Er verbürge sich für jeden einzelnen der Männer, das seien seine Brüder, Cousins und Schwager, die es gewohnt seien, korrekte Arbeit zu machen. Ich war vollauf zufrieden mit seiner Wahl. Wir waren alle in Arbeitsklamotten und sahen aus, als wollten wir zur Schicht unter Tage. Der Apricot schien für die Gattin des Bergwerksbesitzers bestimmt.

 

 

Robert Mießner, "Kraft zum Haß. Katrin Heinau hat ein Buch zur Zeit geschrieben", Rezension in junge Welt 6.10.2010: "Wie verhält sich der Mensch zu einer Realität, die so aufreibend wie lächerlich ist? ... Schiller beobachtet seine Umwelt genau und antwortet auf sie mit bösen und treffenden Sätzen ... Katrin Heinau hat in ihrem Buch, bei dessen Lektüre man gelegentlich über Dinge lacht, die eigentlich nicht lustig sind, ein Motto aus Louis-Ferdinand Célines 'Reise ans Ende der Nacht' vorangestellt: 'Man steigt im Leben nicht hinauf, man steigt hinab'. Fred Schiller, möchte man meinen, widerlegt den Satz. Dabei bewegt er sich einfach fort."