liturgia

Liturgia.

Ich habe alles bezahlt

 

Ein Alkoholorium

Hörspiel

 

2010

 

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Ein Tisch werden und dienen. Ein großer stabiler Tisch, an dem man das Abendessen einnehmen kann. Das wäre ein Leben!

 

Ein Platz im Freien, eine Gruppe Trinker, ein Kind kommt dazu.

Ein Pandämonium der Sucht und Suche.

 

Prolog - Zusammenkunft - Credo der Bierdeckel - Begrüßung - Anrufung und Lesung der Epistel - Zwischenspiel und Predigt des Chefs - Verkündigung - Zwischenspiel - Verkündigung - Zwischenspiel - Predigt Frizzi - Zwischenspiele - Predigt der Prinzessin - Verkündigung - Predigt der Prinzessin - Abkündigungen, Dank, Fürbitte - Vater unser - Mitteilungen - Kollaps und Segnungen - Predigt Pilatus - Epilog und Frizzis Song

 

Der Chef .....................................................Oliver Bertz

Pilatus ........................................................Rainer Menke

Fritz ............................................................Günter Wagner

Frizzi ...........................................................Julia Trompeter

Die Prinzessin .............................................Katrin Heinau

 

Frizzis Song:

Komposition und Einspielung .....................Xaver Römer

Gesang .......................................................Julia Trompeter

 

Text, Regie, Schnitt und Produktion: Katrin Heinau

Co-Regie, Technik: Natalie Gorris

 

Spieldauer: 42.40 min

 

Gestalterische Unterstützung (CD): Linda Sophie Schroeder

Dank an Alfredo Bautista und die Theaterkapelle Friedrichshain

Alle Rechte (Text und Produktion): Katrin Heinau und goahead media verlag, Inh. Natalie Gorris »

 

Erstsendung mit Interview am Sonntag, den 28.3.2010 in der Sendung Tinnitus bei ALEX Offener Kanal Berlin

 


Der Chef: Stell dir vor, du wirst reingebeten. Zum Duschen. Du kennst die Frau nicht, aber sie nimmt dich mit. Sie macht so was gern, sonst gehts ihr nicht gut. Du siehst, wie sie sich wohlfühlt in ihrer Wohnung. Wie ihr dank deiner stinkenden Lumpen immer wohliger wird mit jeder Bewegung. Das sieht auch ganz gut aus. Wie sie sich reinschraubt in den Tisch, den sie dir deckt. Um dich abzulenken, zählst du die Gründe auf, warum du trinkst. "Auch Sie wären eine Trinkerin geworden, wenn man Sie gelassen hätte." Sie nickt verständnisvoll mit dem Kopf und findet dich toll.//

 

Pilatus: Wer steckt dahinter? Der Heilige Johannes? Kennt ihr den Heiligen Johannes? Er konnte Gift trinken und überlebte. Zuerst brachte er den Tempel zum Einsturz, dann forderte er den Priester heraus. Er sagte, gib her, ich trinke, mir macht das nichts, und da ließ der Priester noch zwei andere kommen aus der Todeszelle. Das waren allerdings welche, die sowieso schon zur Hinrichtung bestimmt waren. Die starben auch ordnungsgemäß an dem Gift, damit Johannes sich fürchtete. Er aber starb nicht. Ist das nun ein Vorbild oder ein Gauner?//

 

Fritz: Ich stehe auf. Ich sehe wie eine Staubsäule zusammenfällt. Ich stehe auf. Am Boden ein Bild der Zerstörung. Wer war das, hat Schubladen umgekippt, ich habe wohl etwas gesucht. Ungleichmäßige Bewegung in den Teilen je nach ihrer Masse. Stehe auf, bücke mich, da fällt mir die Hand ab. Vor Schreck bleibe ich unbeweglich liegen. Liege und starre an die Decke. Es ist egal, wohin ich starre, das Auge sieht einen verfluchten Prozess. Ich bücke mich und der Arm bis zur Schulter rutscht unter die Sachen. Ich stehe auf, diesmal bleibe ich stehen.//

 

Frizzi: Die Sonne wird auch eines Tages ein Roter Riese. Später wird die Sonne ein Weißer Zwerg. Sie ist wie wir. Vielleicht geht sie mit mir ein Doppelsystem ein. Die Gefahr ist, dass ich erkalte. Ich falle vom Himmel, außer es findet sich jemand, mit dem ich mich vereinigen kann. Ich muss eine Explosion auslöse, verdammte Scheinhelligkeit! Wenn ich wüsste, wie hell ich wirklich bin, könnte ich ganz anders planen. Ich wüsste, ob es einen Sinn hat, auf die Sonne zu warten!//

 

Die Prinzessin: Und so einem Kind, dem trichtert man ganz früh schon ein, dass es dem Vater oder der Mutter ähnlich sieht. Dass es einen Beruf haben wird. Dass es eigentlich jetzt schon wissen müsste welchen? Was möchtest du denn werden, mein Schatz? In irgendeiner Freizeitanlage greift es nach einem Talent, und jetzt wird es gefördert, eine Fiktion, es studiert, eine Fiktion, es sucht Arbeit, eine Fiktion. Nun begreift das Kind, dass es jetzt ein altes Kind ist, irgendwas stimmt nicht, stimmt nicht an der Fiktion. Die Fiktion wird korrigiert, Dazulernen nennt man das. Das alte Kind bildet sich weiter, eine erweiterte korrigierte Fiktion. Es glaubt an seine Unsterblichkeit, eine mehrfach aufgelegte, korrigierte, mit Kommentaren versehene Fiktion. Es sträubt sich nicht länger, sich Komplimente machen zu lassen, in der Art, es sehe gut aus und sei ein interessanter Mensch geworden. Wollen die mich trösten?//